Die Postmoderne und das „unrettbare Ich“: Willem L. van Reijen

 Im Gegensatz zu den meisten anderen Aufsätzen, die sich im Wirrwar der Begriffe verlieren, gibt der Philosoph Willem van Reijen eine wirklich klare und hellsichtige Bestimmung der Postmoderne. In: Die Frage nach dem Subjekt, hg. Manfred Frank, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1988, 80-102.

Sehr interessanter, zudem locker und lesenswerter Artikel, der eine gewisse Ordnung in den Wirrwarr der Begrifflichkeiten bringt. So ist zum einen überhaupt nicht klar, ob es überhaupt die Postmoderne als eigene Epoche gibt oder ob sie eher doch Bestandteil der Moderne ist und so das Projekt der Moderne „rettet“.

Van Reijen ist allerdings der Meinung dass es sich bei der Postmoderne durchaus um etwas Eigenständiges handelt, da deren Vertreter eine Kritik an der Moderne äußern. (Reijen erwähnt Habermas, der weiterhin die Moderne verteidige und auf einen Erkenntnisfortschritt beharre – auch wenn Habermas einräume, dass manche Erkenntisse auf Nebengleise abgeschoben würden). – Es handle sich bei den Diskussionen um die Moderne und Postmoderne im Kern um eine Diskussion um die Rolle des Subjekts.

So lässt sich die Postmoderne als eine Epoche bezeichnen, die mit dem Subjektbegriff der Moderne bricht. Doch lauern hier einige Fallstricke. Zum einen gibt es die Verwechslung zwischen Subjekt und Individuum.

1. Auch wenn der Mensch als Objekt behandelt wird, so bleibt er doch Immer Individuum. Sklaven mögen Objekte sein, doch bleiben sie Individuen

2. Auch wenn Wissenschaft objektiv betrieben wird, handelt es sich bei denjenigen, die Wissenschaft betreiben, doch um Subjekte. Es sind also keinesfalls Computer, die einen Verlust/Ende des Subjekts behaupten, sondern es sind letzlich Subjekte, die solche Behauptungen aufstellen. Wissenschaft mag objektiv sein, doch einzelne Wissenschaftler können niemals objektiv sein

3. Das reine Subjekt oder die reine Subjektivität gibt es nicht. Niemand ist eine Insel- jede subjektive Unternehmung greift auf etwas zurück, was schon da ist.

4. Mit der Aufklärung beginnt die Verknüpfung von Subjekttheorie und Fortschrittstheorie

5. Nicht alles was funktioniert ist vernünftig- hier setzt der Irrationalismus der Postmoderne ein. Denn die postmodernen Denker setzten zu Recht ein, dass die automatische Gleichschaltung von Vernunft und Dingen, die funktionieren, nicht immer zutrifft.

Begann die Geschichte des Menschen vor 6 Millionen Jahren?

Ein sehr lesenswerter Artikel im Spiegel berichtet über den Fund des Toumais Schädels. Es handele sich, so der Artikel, um den Schädel des wohl ältesten Hominiden (=Menschenartig), also um unseren ältesten Vorfahren. Oder auch nicht. Die Forscher sind sich da nicht einig.

Interessanterweise stützen die Forscher sich bei der Unterscheidung zwischen Menschenartigen und Affenartigen auf ein mir bisher unbekanntes Detail: das der Zähne. Denn der Streit handelt sich nun darum, ob die Zähne des aufgefundenen Schädels auf einen Affen hinweise oder nicht. „Wie wir ja wissen, blecken Affen ihre Zähne, nutzen sie zur Zurschaustellung, zum Kämpfen und so weiter – Hominiden tun das nicht.“ (Zitatende)

Wäre dies der Schritt zum Menschen-die verlorene Beisskraft? Ich hatte immer gedacht, die verlorene Beisskraft deute daraufhin, dass der erste Mensch es verstanden habe, sich andere Nahrungsquellen zu erschliessen (auch mit Hilfe des Feuers) um eine höhere Kalorienzufuhr für das besser entwickelte Gehirn zu bekommen. Aber wahrscheinlich sind es doch mehrere Faktoren: der aufrechte Gang, die soziale Interaktion (Sprache), sowie die Fähigkeit abstrakte Begriffe als Bilder dauerhaft festzuhalten  die ein affenartiges Wesen zu einem menschenartigen Wesen machen.

Dennoch warte ich nun gespannt auf weitere neue Zeitungsartikel, die nun neue Definitionskriterien des menschlichen auflisten. Wie wohl die menschenartigen Wesen der damaligen Zeit unsere heutige Welt beurteilen würden? Welche Erscheinungsformen unsere Welt würden sie als menschlich empfinden? Es wäre wohl an der Zeit nicht das menschliche im Affen, sondern das äffische im Menschen zu suchen (wobei schon allein das im Sprachgebrauch eingedrungene „äffisch“ sehr negativ gemeint ist für etwas was allein etwas nachahmt). Vielleicht wandelt sich auch das was man als äffisch bezeichnt.

Können Tiere rechnen?

Neulich brachte die BBC einen Beitrag über Experimente mit rechnenden Affen. Der Reporter sprach mit einer Tierforscherin, die einem Affen eine Gesamtzahl (nämlich sechs Stöckchen) beigebracht habe. In einer Versuchsanordnung habe der Affe jeweils Futter bekommen, wenn er größere Haufen (sieben Stöckchen) und kleinere Haufen (fünf Stöckchen) unterscheiden konnte. Es ging also nicht nur allein um Mengenangaben, sondern auch um die Fähigkeit, Mengen unterscheiden zu können. (Ein Stöckchen weniger sowie ein Stöckchen mehr).

Ich finde die Frage ob Affen nun rechnen können nicht so sehr interessant für die Tierforschung selbst sondern eher für die Frage ob man dieses „Feature“ als humanoid bezeichnen kann. Man versucht also herauszufinden, was Affen nicht können um herauszustreichen was denn eigentlich das Menschliche am Menschen sei. Nachdem nun Mitleid und auch Kreativität nicht mehr allein dem Menschen zugeschrieben werden können, stellt sich die Frage nun nach Rechenvermögen.

Vielleicht sollte man nicht so sehr die Affen untersuchen, als vielmehr die Menschen die die Affen untersuchen. Gibt es eine Geschichte eine Tendenz der Definition des „Menschseins“ die sich in der Affenforschung ablesen lässt?

Nichtsdestotrotz bleibt die Frage des Rechnens und der Unterscheidung von Mengenangabne eine interessante.

Was ist Science Fiction? Zum Verhältnis von Technik- und Populärkulturen am Beispiel von Bernhard Kellermann: „Der Tunnel“

Es gibt bereits im Internet (insbesondere aus den 1970er Jahren) eine erkleckliche Anzahl von Autoren, die das „Wesen“ der Science Fiction Literatur zu bestimmen versuchen. Meist mit harten Abgrenzungen zu dem was nicht „Science Fiction“ sei (bzw was gute und was schlechte Science Fiction ausmache). Vielleicht macht es mehr Sinn, die Beziehungen zwischen Populär- und Technikkulturen zu erläutern.

Was ist Popuärkultur- wann beginnt sie? Auch wenn einige Forscher den Beginn der Massen- kultur früher einsetzen lassen wollen, spricht doch viel dafür ihren Beginn im England der Frühindustrialisierung ab 1760 zu suchen. Der Wirtschaftshistoriker Akos Paulinyi bezeichnet den Zeitraum von 1760 bis 1850 als eine Periode, in der erstmals in Großbritannien der Übergang zur maschinellen Fertigung von Gütern vollzogen wurde. In dem europäischen Land mit der zuerst einsetzenden Industrialisierung entwickelte sich bald ein Bedürfnis nach neuen Unterhaltungsformen.

Sicher gab es auch schon so lange Nachrichten aufgezeichnet werden populäre Unterhaltungsformen, doch die massenhafte Produktion geschah erst im Zuge der Industrialisierung. Das wesentliche Element der Populärkultur oder Massenkultur ist die Gewinnerzielungsabsicht als Massenprodukt.Dies führte dazu, dass die Rezipienten stärker als es zuvor in der Geschichte möglich gewesen war, in die Kulturproduktion eingreifen konnten. Zwar mußten Künstler auch in früheren Jahren leben, also Gewinn erzielen, doch gab es nicht die massenhafte Herstellung, Verbreitung und quasi abnutzungsfreie Wiederholbarkeit der Kulturproduktion.

Populärkultur heißt: etwas wird in Massen hergestellt, produziert und verkauft. Natürlich beeinflußt diese Herstellungsform auch den Inhalt, dass dieser auf eine Massenverkäuflichkeit getrimmt wird. Doch stärker wirken Kriterien wie die der Aktualität und Zeitbezogenheit.Wie kein anderes Medium eignete sich die Popul¨arkultur dazu die durch die Umw¨alzung der industriellen Revolution geschaffenen Produkte in die Gesellschaftsordnung einzubinden. Als Beispiel sei der Roman Der Tunnel von Bernhard Kellermann genannt.

Dieser Roman, der beschrieb wie Menschen jahrzehntelang das wahnsinnige Projekt eines Tunnels unter den Meeren von England nach Amerika planten und durchführten, geriet zu einem großen Verkaufserfolg. Im April 1913 bei Samuel Fischer erschienen, waren nach einem halben Jahr schon 100.000 Exemplare verkauft: das Buch wurde zum ersten Bestseller des beginnenden 20. Jahrhunderts. Das Buch erschien allein bis 1943 in 373 Druckauflagen. Im Zentrum des Romanes steht der heldenhafte Ingenieur Mac Allen, dem als eine Art Odysseus der modernen Technik nach 26 Jahren die Untertunnelung des Atlantiks gelingt. Nach 26 Jahren und 9000 ums Leben gekommenen Tunnelarbeitern wird der Tunnel für eine Hochgeschwindigkeitszugtrecke von Frankreich nach New York er¨offnet.

In diesem heute in vielen Internetspezialforen gefeierten “Sci-Fi” Roman, gelingt Bernhard Kellermann die Verbindung von Technikutopie und modernen Kapitalismus umso passender als das das Buch selbst zu einem wirtschaftlichen Erfolg geriet.

Manchmal wird behauptet, dass Technikutopien in den Populärkulturen das Publikum auf Dinge vorbereiten, die diese Dinge sonst nicht verstünde. Die Populärkulturen werden hier als Vermittler, als Ubersetzer komplexer Sachverhalter gesehen. Dies besonders in Fällen, in denen ein hoher Abstraktionsgrad das unmittelbare Verstehen verhindere. (so z.B die Form der Radioaktivität). Doch daran glaube ich nicht. Dies ist sicher zu einfach. Es ist schwierig die Begriffe  „Populärkulturen“  und  „Technikkulturen“ getrennt zu betrachten. Es gibt keine Trennungen zwischen den Darstellungen der Populärkultur und den technischen Prozessen. Ferner findet sich  “Science” auch schon in ¨alteren Formen der Literatur wieder, so dass die Einteilung ab wann man von Science Fiction sprechen kann, nicht genau festlegbar ist.

Die schwer festlegbaren Grenzen zsischen Populär und Technikkulturen zeigt sich auch darin, dass die Technikkulturen auch auf die in den Romanen dargestellten Argumentationsmuster zurückgreifen. Denn technische Innovationen sind nie aus sich selbst heraus sinnvoll. Erst der Umweg über die symbolische Repräsentation in Populärkulturen trägt zur Durchsetzung in der Gesellschaft bei. Aus den Regeln der Gattung reflektieren Sci-Fi Romane den Technikstand ihrer Zeit (und gehen manchmal darüber hinaus). Denn gegen eine Regel dürfen Science-Fiction Romane nie verstoßen: das was durch wissenschaftliche Experimente ausgeschlossen werden kann darf in einem Zukunftsroman nicht mehr beschrieben werden. Der Sci-Fi Roman muss nicht nur auf der Höhe der technischen Zeit sein um ernstgenommen zu werden, er muss ihr sogar vorausgehen.

NACHTRAG:  Ab dem Jahre 2017 soll mit dem Bau eines Tunnels unter dem Meer zwischen Sibirien und Alaska begonnen werden. Immerhin- mehr als 100 Jahre nach dem Erscheinen von Bernhard Kellermanns Roman „Der Tunnel“ wird sich der Traum einer Zugverbindung zwischen Europa (bzw Eurasien) und dem amerikanischen Kontinent erfüllen. Tja, in dreißig Jahren soll es angeblich möglich sein…

——————————

1

Akos Paulinyi: Die Industrielle Revolution: Die Entstehung des Fabriksystems in Grossbritannien. In: Helmuth Schneider (Hrsg.) Geschichte der Arbeit. Vom alten Ägypten bis zur Gegenwart, Wien 1983, Seite 193.

2

nicht weiter eingegangen wird auf die Geschichte der Bezeichnung der Kulturindustrie im Zuge von Horckheimer, Adorno: Dialektik der Aufkl¨arung, Frankfurt 1947. Dazu: Helmut Seidel: Aufklärung und die Gegenwart. Zur Kritik der Dialektikder Aufklärung von Adorno und Horckheimer. In: UTOPIE kreativ. H109/110 November, Dezember 1999, S. 101-110.

3

vgl. Walter Benjamin: Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit, Frankfurt 1968.

4

Bernhard Kellermann: der Tunnel, Berlin 1916

5

Bernhard Kellermann, Berlin 1913, Seite 394.

6

Der Roman selbst wird sehr unterschiedlich bewertet. Auf die literaturwissenschaftliche Einordnung sowie die historische Einordnung in den Kontext der Situation vor dem ersten Weltkrieg wird im Rahmen dieser Einleitung verzichtet. Harro Segeberg: Literarische Technik-Bilder. Studien zum Verh¨altnis von Technik- und Literaturgeschichte im 19 und frühen 20. Jahrhundert. Studien und Texte zur Sozialgeschichte der Literatur (Band 17), Tübingen 1987, Seite 179. Harro Segeberg bezeichnet den Schriftsteller Bernhard Kellermann in einem Kapitel seines Buches Literarische Technik-Bilder als Popularautoren.

7

Vgl. Volker Dehs; Ralf Junkerjürgen: Jules Verne. Stimmen und Deutungen zu seinem Werk, Schriftenreihe und Materialien der Phantastischen Bibliothek Wetzlar (Band 75), Wetzlar 2005. Leopold Federmair bezeichnet ihn als Technop¨adagogen. Vgl. Federmair, Leopold: Entzaubern-Verzaubern. Zu den außergewöhnlichen Reisen Jules Vernes In: Wunschmaschine Welterfindung. Eine Geschichte der Technikvisionen seit dem 18. Jahrhundert. Ausstellungskatalog, hrsg, Brigitte Flederer, Wien 1996, Seiten 236-249.

8

Michael Jung: Das Handbuch zur Tauchgeschichte, Stuttgart 1999, Seite 216. Hier seinen nur zwei (franz¨osische der zahlreichen technischen Erfindungen genannt. Zur Drucklegung des Verne‘s Romanes 1869 gab es schon seit 1837 den Skaphander, einen geschlossenen Tauchanzug aus wasserdichtem Segeltuch. Siehe Hanns-Wolf Rackl: Der Mensch taucht,Seite 308

Wolfgang Hübner: der dreifache Tod des modernen Subjekts

Der Philosophieprofessor Wolfgang Hübner versucht sich auf dichtgedrängten Seiten an einer historischen Problematisierung des Begriffs des Subjekts. Hübner führt die hstorischen Wurzeln der in den späten 1980er Jahren kursierenden Behauptung des „Tod des Subjekts“ auf. Einleuchtend führt er auf, dass es diesen Tode des Subjekts bereits in der deutschen Philosophie unter Hegel und Fichte gegeben habe.

Hübner führt die Behauptung zum Tode des Subjekts auf eine schon immer vorhandene Dichotomie in der Philosophie zwischen Aufklärung und Antiaufklärung zurück: Das Pendel der Philosophie schwanke zwischen diesen beiden Polen, sei einmal eine Spielart des Rationalismus augelaugt, erfrische eine neue Art des Illuminimus die Welt. (Die eine nennt er Rationalismus un die andere Illuminismus). So sei der Rationalismus immer mehr dem Objektiven und der Illuminismus immer mehr dem Subjekten verpflichtet. Allerdings: die Objektivierung aber hat zugleich „zugleich die Bestimmung in sich, dass der einzelne Wille in derselben sich aufhebt“.

(W. Hübner, in: M. Frank, G. Raulet, W. v. Reijen (Hg), Die Frage nach dem Subjekt, Frankfurt/M 1988)

Giorgio Agamben: Homo Sacer

„Das Recht hat kein Dasein für sich, sein Wesen vielmehr ist das Leben der
Menschen selbst, von einer Seite angesehen.“
– Savigny

Dieses Zitat findet sich- wohlüberlegt- im Vorwort des Buches Homo Sacer des italienischen Philosophen Gorgio Agamben, und kündet, wie so oft bei vorangestellten Zitaten, mehr vom Finder als vom Autor. In diesem Falle von Agamben und seinen Überlegungen zu Recht und Menschsein.
Obgleich sein Buches „Homo Sacer“ sehr kritisch rezensiert wurde  (https://www.perlentaucher.de/buch/giorgio-agamben/homo-sacer.html), scheint mir doch ( auch wenn ich nur mehr collagenhaft vorgehe) ein Aspekt faszinierend: der des „blosen“ Menschen. Kann man den Menschen lösen von seiner eigenen Vorstellung? In indirekter Weise ist ein solcher Gedanke bei Gehlen (dem „Fanatiker der Ordung“) vorhanden. Dieser beschreibt den Menschen als als Mängelwesen, der immer einer „Ordnung“ bedarf, da er sonst nicht lebensfähig wäre. Daraus schliesst Gehlen, dass die Gesellschaftsordnung notwendig sei bzw das Fehlen einer solchen nicht vorstellbar. (siehe hier in dem Blog: https://biospacepolitics.wordpress.com/2015/06/11/biopolitik-vor-der-erfindung-der-biopolitik-arnold-gehlen/) .Davon mal abgesehen dass dieses Argument nicht sticht (unzulässige Gedankenkonstruktion die dann als Fakt behauptet wird und auf der dann ein ganzes Ideengebäude errichtet wird). scheint diese Vorstellung doch zu faszinieren: der „blose“ Mensch als Gedankenspiel und damit als Konstruktion eines neuen Adam.

http://www.thing.net/~rdom/ucsd/biopolitics/HomoSacer.pdf

Epigenetik und die Frage des Kommunitarismus in der Biologie

Jüngst erschienen neue interessante Bemerkungen zu einem Ende des Determinismus in der Biologie, also dem Glauben, das gewissen Sachen in der Natur festgelegt sind.

Ferner gibt es den grandiosen Blog von Helmut Höge in der taz, der sich mehrfach zu der spannenden Frage der Symbiose in der Wissenschaft der Biologie geäußert hat. Epigenetik: die Eigentschaften, die ein Lebenwesen während seiner Lebenszeit erwirbt, werden von diesem Lebewesen (wenn auch nicht per DNA) doch an die Nachkommen weitergegeben. (So gab es z.B ein Experiment, das aufzeigte, dass die Personen eines Ortes, deren Grossväter sehr gut zu essen hatten, häufiger an Diabates erkrankten als andere).

Epigenetik geht also davon aus, dass Umwelteinflüsse sich in die Person einschreiben (die Entdeckung der Epigenetik wird auch als Rehabilitierung des französischen Naturforschers und „Vitalisten“ Jean-Baptiste de Lamarcks bezeichnet) und dass somit eine Vererbung erworbener Eigenschaften möglich wird: Lamarck, dessen Lehre überholt schien, wird  rehabilitiert.

Im Deutschlandradio gab es ebenfalls ein interessantes Feature zu dem Thema. In dem Feature verweist Achim Plum von der Epinomics AG auf den genetischen Determinismus (Vorherbestimmung), der im Rahmen des Human Genom Projekts aufgekommen sei.  Man habe dann aber schnell gemerkt, dass die Genetik nicht alles in der Biologie und Medizin erkläre, sondern dass es eben auch die Umwelt die Benutzung der uns mitgegebenen Gene beeinflusse.

Der neue Gedanke liegt nun darin, dass Individuum und Umwelt (Umwelt hier als kulturellen Umwelt) zusammengedacht werden, dass es somit eine Verschränkung der eigenen Person mit der Umwelt gibt (siehe auch das Werk „Reasons and Persons“ des Philosophen Derek Parfit von 1984, das auf die Verschränkung von Person und Umwelt verweist). Nicht alles hängt eben von der eigenen Person ab.

Rezension: Hill, C. L. (2007). Nationalgeschichten und Weltsysteme: die Beispiele Japan, Frankreich und Vereinigte Staaten (pp. 220–248).

Christopher L Hill behandelt hier die Frage der Territorialiät der Nationalstaaten im Kontext ihrer Nationalgeschichtsschreibung.

Der Historiker Christopher HIll gliedert die „Naturalisierung“ des Nationalstaates durch die Nationalgeschichtsschreibung in eine zeitlich und eine räumliche Dimension auf. Die zeitlich Dimension der Nationalstaats-legitimation (also die Behauptung dass des den Nationalstaat a priori schon vor der politischen Gründung gegeben habe) sei mittlerweile gut untersucht und bestätigt und wichtig. Doch die räumliche Dimension der Nationalgeschichtsschreibung sei noch nicht genug erforscht worden. Hill: „er konstruiert Legitimationen für die Territorialiät des Nationalstaates (…) Diese Form der Territorialität, bei welcher der juristische, der ökonomische und der soziale Raum gezwungen werden, diesselben Grenzen zu teilen, ist entscheidend für die Behandlung der Zeit in der Nationalgeschichte. Nationalgeschichte wird immer in einem rückwirkend beanspruchten Raum inszeniert“. Christopher Hill führt weiter aus, dass die Behandlung des Raumes als Problem erst in der postkolonialen Historiographie in Erscheinung getreten sei. Nun führt HIll aus, dass auch die kritische Behandlung der Nationalgeschichte ihren Gegenstand unabsichtlich naturalisiert, indem sie die Nationalgeschichtsschreibung aussschliesslich im nationalen Kontext untersucht. Warum? Diese kritische Nationalgeschichtsschreibung akzeptiert die räumlichen Ansprüche des Nationalstaates und naturalisiert somit die Nation als die universelle Kategorie. Ergo, so Hill, existierte kein Territorium ohne seine Nationalgeschichte.
Wie ist der nationale Raum in den Raum der ubernationalen Systeme eingebettet?Hill schreibt: Das Territorium des Nationalstaats entsteht als unmittelbar „einleuchtende“ Aufteilung des Raumes- nicht nur in der Gegenwart sondern auch in der Vergangenheit.

Sehr interessant finde ich nun, dass Hill die These Frederick Jackson Turners, dass sich die USA immer ausgedehnt hätten und dass dies die amerikansiche Gesellschaft beeinflusst hätte, wieder aufnimmt. Frederick Jackson Turners berühmter Aufsatz „die Bedeutung der Grenze in der Amerikanischen Geschichte von 1893 sei einer der Gründungstexte der Progressive History gewesen, jener Strömung, welche die usamerikansiche Geschichtsschreibung dominiert habe (231)– gerade diese These Turners habe so aufgebaut auf der vormaligen gescheiterten Sonderwegsperspektive Andrew Jacksons. Nach dieser Lesart habe der amerikanische Überfluss an Land eine Demokratie ermöglicht auf Basis von kleinen landwirtschaftlichen Eigentümern.

 

Die einsame Insel in der Ökologie

Ein Bericht des Spiegel über einen Mann, der aus leeren Plastikflaschen eine Insel errichtet hat, beweist wieder einmal wie wirkmächtig das „Bild der einsamen Insel“ durch die Geschichte der Ökologie „wabert“. Denn auch der Spiegelbericht mag  auf das Adjektiv ökologisch nicht verzichten.  Letztlich stellt sich die Frage, ob nicht das Bild der einsamen Insel als Fluchtort der Zivilisation in der Ökologiegeschichte weiterwirkt: die einsame Insel als Utopie des autarken Lebens.

Die Island-Biogeography-These des Harvard-Ökonomen Edward O. Wilson und des Bevölkerungsbiologen Robert Mac­Arthur stellt quasi die Mathematisierung dieses einsame-Insels-Symbols dar. Beide veröffentlichten ihre Überlegungen 1967 in dem Buch Island Biogeography (Robert MacArthur und Edward O. Wilson. The Theory of Island Biogeography. Monographs in Population Biology (Princeton N.J: Princeton University Press, 1967).

Die These in Kürze: die Autoren wollten nachweisen, dass jede Zivilisation ein Programm habe, also dass jedes Ökosystem sich selbst reguliere. Die Frage, die sich beide Forscher stellten, war: Gibt es ein Programm eines Gleichgewichtes, also eine ideale Anzahl von Pflanzen und Tieren auf einer Insel? Um diese These zu beweisen, überspannten (!) die Wissenschaftler eine Mangroveninsel mit einem Zelt und führten in dieses Zelt eln lebenszerstörendes Gift, nämlich Methylbromid ein, dass aber nur kurzzeitig das Leben dort vernichtete. Wie lange sollte es dauern bis die Natur das Island wieder mit Leben besiedelte?

Eine (treffende) zeitgenössische Kritik lautete, dass vorbei- und vorüber ziehende Vögel das Leben auf der Insel ebenso beinflussen würden. Ergo: keine Insel ist vollkommen abgeschlossen. Diesen Einwand des Elements der „migrating birds“ formulierte der finnische Ökologen Haila in einem Aufsatz von 1986 (Haila, Yrjö. “On the semiotic dimension of ecological theory: The case of island biogeography.” Biology and Philosophy 1, no. 4 (December 1986): 377-387). Hailas Kritik der Island Biogeography These überzeugt. Vor allem: er kontextualisiert die These in die Zeit der 1960er Jahre und fragt: „Why has had such a narrow interpretation a so dominating role in that time?“ Haila fügt hinzu, dass die Wilson/McArthur These besonders in den 1960er Jahren einflussreich gewesen sei –erst in den späten 1970er jahren sei Kritik aufgekommen und er sieht die Popularität der These als einen Ausdruck der Zeit.

Doch die einsame Insel als Symbol der gleichzeitigen Errettung und Beschränktheit wirkt bis in die heutige Zeit durch. In den Berichten über die durch die Klimaveränderung drohende Überflutung paradiesischer Inselwelten wird oft auch auf diese Inselsymbolik Bezug genommen.


What The Movie „Battlestar Galactica“ Tells Us About Territoriality And Life

"A companion volume to Earth photographs from Gemini III, IV, and V, which was issued in 1967 as Special publication 129."http://www.archive.org/details/earthphotographs68unit

„A companion volume to Earth photographs from Gemini III, IV, and V, which was issued in 1967 as Special publication 129.“
http://www.archive.org/details/earthphotographs68unit

„Battlestar Galactica“ is a tv serial about the human race living permanently in a fleet of spaceships. Hostile androids (once constructed by the humans) had destroyed planet earth and so the remaining rest of human mankind travels through the universe, looking for a new home planet. That is basically the plot of the movie. I had the chance to see nearly all of series from 2003 and I got immediatly fascinated. Everyhing seemed to be so 1970ies, with all the ingredients of „ecology“ and „lost planet“ and „outer space“ and „androids“. Well, no wonder the 2003 series is made after the 1978 movie by Glen A Larson. The producer of the original series developed this plot since the 1968. It is not by coincidence that the plot contains some religious-scifi elements. According to Wikipedia, the producer and author Glen A. Larson is a Mormon himself. Anyway, the history of a human mankind living in spaceship is at the same time a fascinating and frightening idea.

The main point evolves around the question of human nature: would human nature change if humans would live in an artificial environment? Does an artificial created territory change also concepts of property and human life?  All these questions tackle the connection between humans and the natural world (see also the debate that the earth initially had no oxygene). The story about the remaining parts of human mankind reminds on Noahs´Ark (Noahs Ark is now the spaceship). Concepts of „life“, „space“ and „territory“ are closely interconnected here.

Is it just a coincidence that Glen A. Larson has written his plot in the late 1960ies? The historian Charles S. Maier argues in the essay „Consigning the Twentieth Century to History: Alternative Narratives for the Modern Era“ that the 1960ies marks the end of the age of territoriality (starting in 1860). According to him the era between 1965 and 1990 can be described as a post-territoriality age. The interesting part is here to combine the history of exploration of outer space with the concept of a post-territoriality age

Would they be nations in outer space?